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100 Jahre VGD

Verband Hessischer Geschichtslehrerinnen und -lehrer VHGLL

Rückblick auf die Jubiläumsveranstaltung zum hundertsten Jahrestag der Gründung des Geschichtslehrerverbandes

Jubilaeum

Auf seiner Tagung in Marburg anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Verbandes beschloss der Bundesvorstand des VGD die Marburger Erklärung zur Lehrerausbilidung. Zusammen mit der Mainzer Erklärung des VGD von 2005 gibt es hier die >Marburger Erklärung zum Öffnen oder Herunter- laden.

Zur Feier seines 100jährigen Bestehens hatte der Verband der Geschichtlehrer Deutschlands am 28.09.2013 fast auf den Tag genau nach Marburg, dem Ort seiner Gründung (am 29.09.1913)  mit folgendem Programm eingeladen. Die Festveranstaltung fand im Hessischen Staatsarchiv Marburg statt.

Bongertmann

Die Veranstaltung wurde um 10 Uhr vom Vorsitzenden des VGD, Ulrich Bongertmann (Bild oben), eröffnet. >Rede

Programm des Tages:

Öffentlicher Vortrag am Vormittag:
Prof. Dr. Christoph Kampmann (Marburg): "Bildungspolitik gegen den Zeitgeist? Zur Schul- und Universitätsgeschichte Marburgs in derFrühen Neuzeit"

Stadtführung

Akademische Feier am Nachmittag:
Grußworte:
Dr. Andreas Hedwig, Direktor des Hessischen Staatsarchivs Marburg
Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Egon Vaupel
Prof. Dr. Martin Schulze-Wessel (LMU München), Vorsitzender des Verbandes der Historiker
Prof. Dr. Wilhelm Ernst Winterhager, Dekan des Fachbereich 6 als Vertreter der Philipps-Universität Marburg

Ansprache des Bundesvorsitzenden des VGD, Ulrich Bongertmann (Rostock)

Kurzvortrag Tobias Schmuck (Promovend der Universität Mainz): „Zu welchem Ende verteidigt der Verband der Geschichtslehrer den Unterricht in der Universalgeschichte?“

Hauptvortrag Prof. Dr. Eckart Conze (Marburg): „Geschichte für heute. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands im Spannungsfeld von Politik, Wissenschaft und Unterricht 1913-2013"

Kampmann

In seinem Vortrag über die Gründung der Universität Marburg zusammen mit dem Gymnasium, beide heute nach ihrem Gründer Philipp dem Großmütigen benannt (Philipps-Universität, Gymnasium Philippinum), stellte Prof. Kampmann die enge Beziehung zwischen Politik und Bildungspolitik in der Frühen Neuzeit dar. Der Landgraf von Hessen gründete die Universität 1527 erstmals ohne das kaiserliche und päpstliche Privileg, ja sogar gegen die katholische Kirche, da er sich der Reformation anschloss und somit die erste protestantische Hochschule ins Leben rief – nach der in Wittenberg, an der Luther wirkte. Diese bildungspolitische Initiative sollte die landesherrschaftliche Stellung und die Selbstständigkeit des Territorialstaats unterstützen. In den Auseinander- setzungen der Reformationszeit folgte Philipp nach einigen Diskussionen unter seinen Beratern jedoch dem Rat, keine in ihrer Konzeption neue Universität zu gründen, sondern darin der alten Tradition zu folgen.

Hedwig

Dr. Andreas Hedwig

Vaupel

Egon Vaupel

Schulze-Wessel

Prof. Dr. Martin Schulze-Wessel

Winterhager

Nach einer Führung durch die Stadt und ihre Universitätsgeschichte für die Teilnehmer richteten am Nachmittag der Direktor des Hessischen Staatsarchivs Marburg.
Dr. Andreas Hedwig, der Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Egon Vaupel, der Vorsitzende des Verbandes der Historiker, Prof. Dr. Martin Schulze-Wessel und der Dekan des Fachbereichs 6 als Vertreter der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Wilhelm Ernst  Winterhager Grußworte an die Versammlung.

Die Grußworte sowie die Vorträge zur Geschichte des Geschichtslehrer- verbandes setzten am Nachmittag die Thematik der Beziehung zwischen Politik und Bildungspolitik, Schule und Gesellschaft bis zu heutigen Fragestellungen fort, wie sie in Untersuchungen über das Schülerwissen und entsprechende Schlussfolgerungen thematisiert werden.

Prof. Dr. Wilhelm Ernst  Winterhager

Schmuck

Tobias Schmuck

Conze

Prof. Dr. Eckart Conze

Publikum

Blick auf das Auditorium im Philipps-Saal des Marburger Staatsarchivs kurz vor Beginn des Nachmittagsprogramms.

Zur Geschichte des VGD siehe auch:

Ulrich Bongertmann: Zur hundertjährigen Geschichte des Geschichtslehrerverbandes, in: Geschichte für heute 4/2013, S. 5-19.

Zur Zeitschrift >Geschichte für heute

Nach einer Einführung von Ulrich Bongertmann gingen Tobias Schmuck, Lehrer aus Rheinland-Pfalz, der eine Doktorarbeit über den Geschichtslehrerverband schreibt, und Prof. Dr. Eckart Conze aus Marburg ausführlich auf die Herausforderungen der Geschichtslehrer und ihres Verbandes durch die Politik ein. Der Verband der deut- schen Geschichtslehrer gründete sich 1913 in Reaktion auf ein Klima der politischen Bevormundung durch den Staat, namentlich durch die Initiativen Kaiser Wilhelms II. seit seinem Amtsantritt 1890, den Geschichtsunterricht auf die preußische Geschichte zu orientieren, ihm einen nationalistischen Erziehungsauftrag zu geben, und den Fokus des schulischen Unterricht überhaupt weg von den humanistischen Prinzipien hin zur modernen Technologie zu lenken.

In der Weimarer Republik kehrte sich das Verhältnis zwischen Staat und Geschichtslehrerverband um, indem nun der Verband konservativ und der Staat reformorientiert waren, oder aber, wie Tobias Schmuck meinte, in dem scheinbaren Konservatismus des Verbandes äußerte sich nur weiter- hin dieselbe Haltung der Ablehnung gegen staatliche Bevormundung. Prof. Conze zeigte jedoch auf, dass dies nicht für die „Gleichschaltung“ 1933 galt, der sich die Führung des Verbandes vorauseilend unterwarf. Die Spannbreite der politischen Orientierung der Führungspersönlichkeiten ging von nationalliberal bis konservativ, wobei letztere, mit einer deutlichen Distanz zur Weimarer Republik, überwog. Diese Distanzierung wurde entscheidend durch das Erbe des 1. Weltkriegs (Kriegsschuldfrage, Ver- sailler Vertrag) geprägt. Die politische Ordnung wurde vom Staat her gedacht und nicht vom Bürger her wie in den westlichen Demokratien. In dieser scheinbaren Haltung des Unpolitischen (unpolitisch gegenüber der aktuellen Politik der Weimarer Republik) kam letztlich eine politische Haltung zum Ausdruck, die offen für autoritäre und nationalistische Ideo- logien war. Zu dieser Phase seiner Geschichte und v.a. zur Zeit nach 1933 ist noch viel Forschungsbedarf, weil wenig bekannt, erklärte Prof. Conze.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich der Verband, jetzt 1949 als Verband der Geschichtslehrer Deutschlands neu gegründet, mit Heraus- forderungen der Politik auseinandersetzen, so seit den 1960er Jahren im Zuge der Liberalisierung der Strukturen mit der Forderung nach Gegen- wartsbezug und der dadurch bewirkten Politisierung des Faches Geschichte. Seit 1989 stellen nicht nur die deutsche Wiedervereinigung sondern auch die europäische Einigung und die Globalisierung neue Herausforderungen an den Geschichtsunterricht.

Hinsichtlich der Herausforderung zur Kompetenzorientierung, der auch das Fach Geschichte seit PISA & Co. unterworfen wird um schulische Defizite zu kompensieren, setzten Prof. Conze und Herr Bongertmann unterschied- liche, aber nicht unvereinbare Akzente: einerseits die Warnung vor der Gefahr der Entwissenschaftlichung und des Verlusts der Inhalte zugunsten eines formalen Verständnisses von Kompetenz, andererseits aber auch der Hinweis auf die nicht ganz erfolglosen Initiativen bei der Mitarbeit des Verbandes in der bildungspolitischen und didaktischen Diskussion. Die Verbindung zwischen Inhalten und Kompetenzorientierung, darauf wies Herr Bongertmann hin,  hat der Verband auch in eigenen Bildungsstandards als Empfehlung vollzogen.

Regte der Vortrag on Prof. Kampmann am Vormittag an, sich ver- gleichend mit Entscheidungen bildungspolitischer Protagonisten in der frühen Neuzeit und heute zu befassen, so boten die Vorträge der akademi- schen Feier hinreichend Stoff für eine kritische Auseinandersetzung mit der Verbandsgeschichte. Bei einem Sektempfang bestand nach der Veranstaltung Gelegenheit, sich darüber auszutauschen.

 

Text und Fotos (c): W. Geiger

 

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